dpa-Geschäftsbericht: "sehr gute Performance in Stammbereichen"

dpa geschaeftsbericht 2022

Der grafisch ansprechend aufgemachte dpa-Geschäftsbericht 2021 - die Illustrationen stammen von dem Grafiker Thomas Kuhlenbeck aus Münster - ist weit mehr als ein Bericht zur wirtschaftlichen Lage der Deutschen Presse-Agentur. Er gibt auch eine Vielzahl von Einblicken zu Workflows der journalistischen Arbeit und zu den Grundsätzen, von denen sich die Nachrichtenagentur leiten lässt. 

Auch das zweite Corona-Jahr hat dpa wirtschaftlich gut überstanden. Im Kernunternehmen der dpa GmbH stieg der Umsatz 2021 um 7,6 Prozent auf 100,96 Millionen Euro, in der gesamten Gruppe mit Tochtergesellschaften wie dpa-infocom, news aktuell oder picture alliance um 9,0 Prozent auf 156,80 Millionen. Der Gewinn der dpa GmbH kletterte um 26,6 Prozent auf 2,04 Millionen Euro. Als Gründe für die Entwicklung nannte dpa-Geschäftsführer Peter Kropsch "die Ergebnisse aus der sehr guten Performance in den Stammbereichen", die "Sanierung der Verlustbringer der letzten Jahre", geringere Kosten aufgrund von pandemiebedingten Reisebeschränkungen und die Nutzung neuer Marktchancen. Vom Umsatz der GmbH entfallen 62,8 Prozent auf Textdienste, 14,7 Prozent auf Bilderdienste. 91,1 Prozent des GmbH-Umsatzes wurde in Deutschland erwirtschaftet. Der Geschäftsbericht weist darauf hin, dass es beim Vertrieb des dpa-Basisdienstes und der Landesdiensten aufgrund von weiterhin rückläufigen Auflagenhöhen bei Printmedien zu "absehbaren Erlösrückgängen" gekommen sei. Auch bei den fremdsprachigen Auslandsdiensten sei es nicht gelungen, das Umsatzniveau des Vorjahres zu halten. 

Verlässlicher, faktentreuer und unabhängiger Journalismus werde mehr denn je gebraucht, schreibt Kropsch. "Gerade in Zeiten der Unsicherheit ist eine Gesellschaft auf Medien angewiesen, die Informationen einordnen, Fakten überprüfen und die Voraussetzung dafür schaffen, mit dem Erlebten umzugehen."

Was tut sich in diesem Jahr bei dpa? Für den Herbst ist eine neue Version des für Kunden zugänglichen Nachrichtenportals dpa-News angekündigt, mit der Ausrichtung auf "maximalen Nutzen im digitalen Redaktionsalltag". Außerdem wird es ein neues Redaktionssystem geben, den Rubix Editor, der modular aufgebaut und webbasiert ist sowie Text und Foto integriert.

Die Agentur will das "dateninformierte Arbeiten" vorantreiben. Dafür wurde eine neue Einheit für Content Development eingerichtet: Über eine verstärkte Auswertung von Daten zur Nutzung der dpa-Informationen soll ein dateninformiertes journalistisches Arbeiten möglich werden. Daraus soll keine datengesteuerte Berichterstattung werden – "denn am Ende zählt nach wie vor die Einschätzung der Redaktion". Aber es sei wichtig "zu wissen, was wann in welcher Form bei den Produkten der Kunden wahrscheinlich 'funktioniert'". Ziel ist die Unterstützung der dpa-Kunden bei der Entwicklung digitaler Abo-Modelle. In diesem Kontext engagiert sich dpa auch im Projekt #UseTheNews zur Erforschung der Mediennutzung junger Zielgruppen, zusammen mit der Stadt Hamburg, privaten und öffentlich-rechtlichen Medien, Landesmedienanstalten, Stiftungen sowie Forschungs- und Kommunikations­institutionen. 

Die Zahl der Beschäftigten bei dpa ist im vergangenen Jahr weitgehend stabil geblieben. In der GmbH waren es im Jahresdurchschnitt 660 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 445 in den Redaktionen. Der Frauenanteil bei den journalistisch Beschäftigten der dpa GmbH liegt bei 40,2 Prozent.

Bei allen neuen Projekten bleibt der Blick auf die längere historische Entwicklung bedeutsam: Im Winter 2023/24 soll eine Darstellung zur dann 75-jährigen Geschichte der dpa erscheinen, Autor ist Hans-Ulrich Wagner vom Leibniz-Institut für Medienforschung in Hamburg.