Wenn verwirrende Nachrichten eintreffen, greift Isa Lange zu ihrem weichen Bleistift (3B) und fängt an zu zeichnen. Es ist ein Weg, um mich zu konzentrieren und mit dieser Masse an Nachrichten klarzukommen, die ja jeder täglich in seinem Smartphone mit sich rumträgt, erklärt sie. Wenn ich zeichne, dann bleibt die Zeit stehen.

Eine der ersten News-Zeichnungen, die sie veröffentlichte, war im April 2015 das Bild eines Flüchtlingsboots im Mittelmeer, das Meer dargestellt als Strichliste mit der Zahl der Toten, die damals beim Untergang eines Boots ertranken. Über Twitter veröffentlichte sie das Bild mit dem Hashtag #notjustanumber. Danach dienten ihr regelmäßig Fotos von Journalisten oder Momentaufnahmen aus Nachrichtensendungen im Fernsehen als Vorlage. Die Situation der nach Europa kommenden Flüchtlinge war eines der drängendsten Themen des Jahres 2015, und Isa Lange hat dies auch danach immer wieder beschäftigt wie hier in der Zeichnung zu einem Foto des AFP-Bildjournalisten Aris Messinis:

 


Isa Lange, Illustration nach einem Foto von Aris Messinis/afp

Ich halte die Nachrichten in Skizzen fest, damit sie nicht so schnell verfliegen. Durch die Zeichnungen findet man vielleicht überhaupt erstmals einen Zugang zum Thema. Mit den Zeichnungen möchte ich auf die wichtige Arbeit von Fotojournalisten aufmerksam machen, sie sind die Augen vor Ort, Zeugen des Geschehens.

In einem Blogbeitrag für das Media Governance & Industries Lab an der Universität Wien hat die Zeichnerin das Anliegen ihrer Serie Nachrichten zeichnen erklärt: News the slow way. In der Timeline der aktuellen Medien gehe es jeden Tag neu um ein Aushandeln von Zeit, Geschwindigkeit, Aufmerksamkeit. It is necessary to slow down and concentrate. Because the respective news items deserve this attention.

Nicht von ungefähr ist es oft das Auslandsgeschehen, das die News-Zeichnerin beschäftigt. Sie hat auch US-Präsident Donald Trump oder Bundeskanzlerin Angela Merkel gezeichnet. Aber ihr Blick richtet sich bevorzugt auf das Schicksal einfacher Menschen, die sich hilflos mit einer Situation konfrontiert sehen, die sie nicht selbst gestalten können. Wiederholt hat sie Illustrationen nach Filmbeiträgen des ARD-Weltspiegels gezeichnet, etwa zum sechsten Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Ihre Metabilder halten fest, was in der direkten Medienveröffentlichung oft schnell verfliegt, hier den Moment, in dem Hiroshi Kanno und seine Frau Fumiko zusammen Fotos aus ihrer zerstörten Vergangenheit betrachten.


Isa Lange, Illustration nach einem Filmbeitrag von Uwe Schwering, ARD-Weltspiegel vom 5.3.2017

Die Zeichnerin nimmt Kontakt auf zu den Fotografen oder Autoren der Filmbeiträge, recherchiert zu den Umständen, wie die Aufnahmen entstanden sind. Weil es eine Inflation an Bildern gebe, verwende sie keine Fotos aus unbekannter Quelle, sagt Isa Lange, die als Pressesprecherin der Universität Hildesheim auch beruflich mit Medien in Kontakt ist. Mit der Digitalisierung habe sich die Verbreitung von Information ungeheuer beschleunigt. Im Smartphone dränge sich das gesamte Weltgeschehen. My way to focus is to draw. Inzwischen erscheinen ihre Zeichnungen auch regelmäßig in der Wochenendbeilage Sonntag des Redaktionsnetzwerks Deutschland der Madsack-Mediengruppe in Hannover.


Leser der Cumhuriyet demonstrieren vor dem Büro der Zeitung, einen Tag nachdem 13 Journalisten festgenommen wurden. Teslim Olmayiz – Wir geben nicht auf: Mit dieser Schlagzeile reagiert die Zeitung auf die Festnahmen. Isa Lange, Illustration nach einem Foto von Ozan Köse/afp
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