Eigentlich wollte der AP-Fotograf Burhan Izbilici an diesem Abend nur Bilder von der Eröffnung einer Ausstellung mit Fotos aus Russland aufnehmen - ein Routine-Termin in Ankara, auf dem Weg nach Hause noch mitgenommen. Izbilici wollte den russischen Botschafter fotografieren, mit Blick auf die schwierigen Beziehungen zwischen beiden Ländern könnten diese Fotos einmal nützlich sein. Dann aber stand ein Mann in einem dunklen Anzug mit Krawatte auf und zog eine Schusswaffe. In schneller Folge fielen Schüsse, berichtete der Fotograf in einem Interview mit der Los Angeles Times. Der Botschafter stürzte zu Boden - vor meinen Augen wurde ein Menschenleben vernichtet. Er habe natürlich Angst gehabt, sagte Izbilici. Aber selbst wenn ich getroffen oder verletzt oder getötet werde, ich bin ein Journalist. Ich muss meine Arbeit machen. Ich könnte weglaufen, ohne irgendwelche Fotos zu machen. Aber dann hätte ich keine richtige Antwort, wenn ich später gefragt würde: Warum hast du keine Fotos gemacht? Der Attentäter wurde schließlich in einer Schießerei mit Polizisten getötet.

Das Fotografie-Portal dpreview.com sieht in den Fotos von Burhan Izbilici einen Beleg dafür, wie wichtig professionelle Pressefotografen sind. In einer Zeit, in der immer mehr an den Fotoredaktionen gespart werde, mache dieses Beispiel deutlich, dass es nicht ausreiche, in solchen Situationen schnell mit dem Smartphone draufzuhalten: Ein guter Fotojournalist kann uns der Wahrheit näher bringen. Das ist ihr Job.

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