Im Netz habe jeder und jede die Chance, Nachrichten zu schreiben und in alle Welt zu verbreiten, schreiben Dietz Schwiesau und Josef Ohler aus Berlin und Mandelbachtal im Vorwort zu ihrer Neuerscheinung Nachrichten - klassisch und multimedial. Auch deshalb erscheint es uns nötig, an die Standards des professionellen Nachrichtenjournalismus zu erinnern: Faktentreue, Relevanz, Wertneutralität, Verständlichkeit.

Neun Autorinnen und Autoren beleuchten in dem Handbuch unterschiedliche Aspekte der Nachricht, von Auswahl, Aufbau und Recherche über Nachrichtensprache und rechtliche Fragen bis zu den Unterschieden der Medien: Online, Presse, Foto, Nachrichtenagentur, Radio und Fernsehen. Schwiesau definiert eingangs die Nachricht als eine direkte, auf das Wesentliche konzentrierte und möglichst objektive Mitteilung über ein neues Ereignis, das für die Öffentlichkeit wichtig und/oder interessant ist. 

Im Recherche-Kapitel gibt Tim Schwiesau praktische Tipps etwa zur Vorbereitung auf eine Pressekonferenz und erklärt: Journalist zu sein, bedeutet, Augen und offen zu halten. Daraus leitet er auch die Empfehlung ab, sich möglichst einen eigenen Eindruck von einem Ereignis zu verschaffen, auch wenn sich die Kerninformationen über eine telefonische Recherche beschaffen lassen. Denn nichts ersetzt das eigene Bild

Zur Nachrichtensprache entwickelt Josef Ohler, ehemaliger Nachrichtenredakteur beim Saarländischen Rundfunk, 23 Regeln, die allerdings meist keinen Richtig-Falsch-Gegensatz proklamieren, sondern der Erkenntnis Rechnung tragen, dass Sprache sich lebendig weiterentwickelt. Zum Nachrichtenrecht erklärt Katrin Neukamm etwa, was es mit der Rolle der Nachrichtenagenturen als privilegierte Quelle auf sich hat. 

Die medienspezifischen Darstellungen leitet Martin Hoffmann mit der Online-Nachricht ein und stellt dabei auch Leitsätze für das Formulieren eines Teasers auf. Dass Nachrichtenfotos vor allem eine klare Bildsprache brauchen und was dabei zu beachten ist, macht der freie Fotograf und Dozent für Bildjournalismus, Michael Ebert, anhand von positiven und negativen dpa-Beispielen deutlich. Das Kapitel zur Agenturnachricht stammt vom Betreiber dieses Web-Portals, und im Kapitel zur Fernsehnachricht erfahren die Leser, dass in eine NiF, eine Nachricht im Film, etwa fünf bis zehn verschiedene Bildeinstellungen passen. Weil das Bildmaterial inhaltlich vollständig und glaubwürdig sein soll, ist das bei der Kürze der NiFs mitunter eine Herausforderung

Das neue Praxis-Handbuch folgt 13 Jahre auf den Vorgänger Die Nachricht in Presse, Radio, Fernsehen, Nachrichtenagentur und Internet. Ein Vergleich beider Ausgaben macht deutlich, wie viel sich in der Zwischenzeit verändert hat. In der nächsten Ausgabe wird es spannend zu lesen sein, inwieweit das Ausprobieren neuer Erzählformaten in aktuellen Online-Medien wie bento.de oder vice.com die Weiterentwicklung der Nachrichten beeinflussen werden. 

(Nachrichten - klassisch und multimedial. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. 296 Seiten. Reihe Journalistische Praxis. Verlag Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016. 29,99 Euro)

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